Verantwortung

In letzter Zeit hatte ich viele Diskussionen zum Thema „Verantwortung“.

Was Verantwortung ist und wann Verantwortung übertragen werden kann und wann nicht?

Verantwortung impliziert Zuständigkeit und Haftung. Die Zuständigkeit beschreibt den Aufgabenbereich, der verantwortet werden soll. Oft wird er auch Verantwortungsbereich genannt. Unter Haftung verstehe ich, dass der Verantwortliche für die Folgen seiner Handlungen oder für Dinge seines Verantwortungsbereiches gerade stehen muss. Haftung kann juristisch oder moralisch bewertet werden. In beiden Fällen spreche ich bei Verfehlungen von Schuld. Die Unterscheidung zwischen Verantwortung und Zuständigkeit findet man zum Beispiel im Projektmanagement mit dem RACI-Modell. Dort gibt es folgende Klassen zur Darstellung der Verantwortlichkeit

R = Responsible = Zuständig
A = Accountable = Verantwortlich
C = Consulted = Konsultiert
I = Informed = Informiert

Doch welche Voraussetzungen müssen vorliegen, um Verantwortung übernehmen zu können?

Als erstes sehe ich die Beschreibung des Verantwortungsbereiches, also der Zuständigkeit. Im Arbeitsleben kommt es zu Konflikten, wenn sich Verantwortungsbereiche überlappen. Genauso führt es zu Problemen, wenn Aufgaben „liegen“ bleiben, also für die niemand zuständig ist. Das Schneiden von Verantwortungsbereichen, also die Organisation, ist eine Führungsaufgabe.

Darüber hinaus müssen für die Haftung die für die Aufgabe notwendigen Entscheidungsbefugnisse und Ressourcen/Kompetenzen bereitgestellt werden. Die Ressourcen, damit die Aufgabe erfüllbar ist. Die Entscheidungskompetenz, damit Haftung übernommen werden kann. Haftung impliziert auch Rechenschaftspflicht gegenüber dem Auftraggeber/Chef etc..

Entscheidungskompetenz und Ressourcen müssen zur Aufgabe, zum Verantwortungsbereich, passen. Darf ich in meinem Aufgabenbereich bestimmte Entscheidungen nicht treffen, so kann ich für die Folgen nicht haftbar gemacht werden, ich bin also nur zuständig. Entscheiden muss dann jemand anderes. Das kann die Dauer bis zu einer Entscheidung verlängern, gerade wenn es sich nicht um eine Person sondern um eine Personengruppe handelt.

Gremien bergen die Gefahr, dass Entscheidungskompetenz ohne Haftung existiert. Ich kann in einem Gremium über alles mitreden und entscheiden, bin aber nicht Schuld, wenn es schief geht.

Ein Problem tritt auch auf, wenn von außerhalb in den eigenen Verantwortungsbereich eingegriffen wird. Das kann durch die Hierarchie passieren, also durch Anweisungen von Vorgesetzten. Dadurch wird aus Verantwortung wieder Zuständigkeit. Die Haftung für die Entscheidung des Vorgesetzten geht auf den Vorgesetzten über. Erfolgt der Eingriff in den Verantwortungsbereich von Gleichgestellten, so handelt es sich um Verletzungen des Verantwortungsbereichs. Sie muss nicht akzeptiert werden. Ggf. ist es notwendig und sinnvoll Verantwortungsbereiche neu zu schneiden, damit Verletzungen des Verantwortungsbereichs nicht mehr auftreten.

Verantwortung hat für den Auftraggeber den Vorteil, dass er schnelle Entscheidungen sicherstellt, und aufgrund der Rechenschaftspflicht Einfluß auf die Güte der Aufgabenerfüllung hat. Verantwortung ist immer der Zuständigkeit vorzuziehen.